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Was ich bei Büchern liebe – und was mich auf die Palme bringt


Jeder, der mich kennt, weiß: Ich liebe es, zu lesen. Und ich liebe es, Listen zu schreiben. Höchste Zeit also, beide Dinge in einem Blogpost zu verbinden.

Hier sind die Dinge, die ich in Büchern am meisten liebe – und die, die ich nicht ausstehen kann.


Was ich liebe


1) Ungewöhnliche Erzählperspektiven

Fast jeder Mensch hat eine Präferenz für den Ich-Erzähler/die Ich-Erzählerin oder die Erzählung in der dritten Person (er/sie). Es gibt aber auch andere, weniger genutzte Erzählperspektiven, die ich persönlich unglaublich spannend finde und die für mich eine ganz eigene Wirkung entfalten.


Hier ein paar Beispiele für Bücher mit ungewöhnlichen Erzählperspektiven:

  • Agota Kristof: Das große Heft (Wir-Perspektive, erzählt von Zwillingen)

  • Barbara Schwarcz: Sommerverschwendung (Du-Perspektive, erzählt von einem zehnjährigen Mädchen)

  • Italo Calvino: Wenn ein Reisender in einer Winternacht (abwechselnde Erzählformen und Genres, bzw. Du-Form an den Leser/die Leserin gerichtet)


2) sehr gute Bücher, die noch dazu sehr lang sind

Grundsätzlich sagt die Länge eines Buches noch nichts über die Qualität aus. Es gibt lange Bücher, die gefühlt locker 200 Seiten kürzer sein könnten. Es gibt aber auch Hundertseiter, die sich ziehen wie Kaugummi. Es gibt kurze Bücher, in denen so viel drinsteckt. Und dann gibt es die Kombi, die für mich perfekt ist: Ein richtig langer Wälzer, der mich hineinzieht an einen Ort, der das Panorama einer ganzen Epoche zeichnet, der seinen Charakteren einen tollen, langen Entwicklungsbogen gibt.


Meine liebsten Wälzer:

  • Nathan Hill: Geister

  • Elena Ferrante: Die Meine geniale Freundin-Reihe

  • Charles Dickens: Große Erwartungen

  • Stephen King: The Stand und Es


3) offene oder uneindeutige Enden

Ich liebe offene Enden. Das ist vielleicht der kontroversiellste Punkt auf meiner Liste, denn ich weiß, wie viele LeserInnen offene Enden aus tiefster Seele hassen. Nur, um das klarzustellen: Damit meine ich nicht jene Enden, bei denen der Autor/die Autorin aus Mangel an Ideen einfach aufgehört und das Ende in der Luft hängen lassen hat. Aber ein bewusst gewähltes, gut eingesetztes offenes Ende kann extrem stark sein und hat für mich das Potenzial, die Geschichte noch sehr lange im Kopf nachwirken zu lassen.


Hier ein paar Beispiele für Bücher mit spannenden offenen Enden:

  • Margaret Atwood: Der Report der Magd

  • Bret Easton Ellis: American Psycho

  • Joan Lindsay: Picknick am Valentinstag (ohne das letzte, viel später veröffentlichte Kapitel)



Was ich hasse


1) Marionettenhafte (Frauen-)Figuren

Ich nenne jetzt keine Beispiele, denn ihr wisst alle, welche Bücher ich meine. Die allseits bekannten 2-3 (oder mehr) unglaublich populären Buchreihen mit den gänzlich passiven Frauencharakteren, die keine konkreten Wünsche haben (außer den, ihren dysfunktionalen bis verrückten Auserwählten bei Laune zu halten), keine Ziele, keinen eigenen Willen, die unhinterfragt alles mit sich, ihrem Körper und ihrer Psyche machen lassen. Das alles geht dann aus irgendeinem Grund als "romantisch" oder "erotisch" durch und ich verstehe nicht, warum. Echt jetzt. Warum?!


2) Deus ex machina

Dieser Begriff bedeutet wörtlich Gott aus der Maschine, stammt aus dem antiken Theater und beschreibt die plötzliche Auflösung aller Probleme durch eine übermenschliche oder göttliche Kraft. War dieses Stilmittel in der antiken Theatertradition noch originell oder zumindest berechtigt, so ist die plötzliche Auflösung aller Probleme "von oben" heute meistens nur: schriftstellerische Faulheit.


3) Wenn AutorInnen meine Lieblingscharaktere umbringen

Just sayin', J.K. Rowling. Ich hab dir Snape und Hedwig noch immer nicht verziehen und weiß auch nicht, ob ich das jemals können werde.

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Stimmt ihr dieser Liste zu, oder gibt es einen Punkt, bei dem ihr mir vehement widersprechen würdet? Was dem einen Menschen beim Lesen gefällt, kann bei einem anderen den starken Drang auslösen, das Buch erbost gegen die Wand zu werfen. Was liebst du an Geschichten, und was kannst du gar nicht ausstehen? Verrate es uns gerne in den Kommentaren!


Alles Liebe und happy reading!


photo credits: Siora Photography

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