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Schreiben in Zeiten von Corona, Teil IV: Weißes Blatt, grünes Blatt


(Photo by Gustav Gullstrand on Unsplash)


In den letzten Wochen habe ich dir ein paar Techniken und Übungen vorgestellt, mit denen du dich schreibend mit der aktuellen Situation befassen und dadurch in dieser verrückten Zeit wieder etwas Ruhe finden kannst.

Wie viele andere Menschen war ich in den letzten Wochen vor allem an einem Ort: Zuhause. Stundenlang, tagelang, wochenlang an dem improvisierten Home-Office-Tisch, der eigentlich unser Esstisch ist und seit Beginn der Pandemie ins Schlafzimmer weichen musste, um eine Zweizimmerwohnung für zwei Personen home-office-tauglich zu machen. Dabei ist mir eines sehr schmerzlich bewusst geworden: Mir fehlt die Natur. Ich, das Großstadtkind wie es im Buche steht, das früher bei den elterlich verordneten Spaziergängen vor allem mit "muss das sein kalt müde mag nimmer" reagiert hatte.... sehnte sich nach grünen Blättern, Ruhe und Vogelgezwitscher. Offenbar bin ich damit nicht alleine: Die Anfragen nach Immobilien im Grünen, so lese ich, sind "seit Corona" sprunghaft angestiegen. Ob das ein langfristiger Trend ist, wird sich zeigen. Eines aber ist sicher: Die Distanz des modernen Menschen zur Natur bringt viele Nachteile mit sich. Eine, die das ganz genau untersucht hat, ist die US-amerikanische Journalistin Florence Williams. Für ihr Buch "The Nature Fix" reiste sie zwei Jahre lang um die Welt. Sie sprach mit finnischen Ärzten, die zur Prävention und Behandlung von Depressionen eine monatliche Mindestdosis von fünf Stunden in der Natur empfehlen. Von traumatisierten Feuerwehrleuten in Südkorea, die im Wald Partneryoga machen und damit die Symptome ihrer Krankheit nachweislich mildern konnten. Und natürlich von Japan, dem Land, das das "Waldbaden" (shinrin-yoku) erfunden hat, zumindest sprachlich.

Fazit: In der Natur zu sein, entspannt uns nicht nur. Es macht uns auch gesünder, empathischer und kreativer. Es aktiviert alle fünf Sinne und ist dennoch zutiefst beruhigend.


Deshalb möchte ich dir heute einen einfachen Tipp geben: Nimm dich und dein Schreibprojekt mit raus in die Natur! Schnapp dir dein Notizbuch und einen Stift und such dir einen schönen Platz draußen. Idealerweise sollten Handy, PC und andere Geräte dabei zuhause bleiben. Ich garantiere dir, dass es dir danach besser gehen wird und die Ideen wieder fließen werden.


Wenn du noch nicht sicher bist, wie du mit dem Schreiben beginnen kannst, versuch es doch mit einem zehnminütigen Freewriting (siehe Blogbeitrag "Schreiben in Zeiten von Corona, Teil I") zu einem der folgenden Schreibanlässe. Sie alle stammen von der Autorin und Schreibtrainerin Natalie Goldberg und eignen sich wirklich gut zum Schreiben draußen, da sie keine langwierige Recherche brauchen und du kein zusätzliches Material mitnehmen musst.


1)Erzähl mir von einer Zeit, in der du alleine warst.

2)Erzähl mir, was du früher aus deinem Zimmerfenster aus gesehen hast.

3)Finde etwas ganz Gewöhnliches und erzähl mir davon.


Ich wünsche dir viel Erholung und neue Einblicke im Grünen! Genieß den Frühling – auch wenn er sicher anders ist, als du ihn dir vorgestellt oder gewünscht hast.


Lese-Empfehlungen:

Natalie Goldberg: Old Friend from Far Away. The Practice of Writing Memoir. Atria Paperback, 2013

Florence Williams: The Nature Fix. Why Nature Makes Us Happier, Healthier and More Creative. Norton & Company, 2017


Florence Williams' TEDx Talk:

https://www.youtube.com/watch?v=bmmnEJ4rtCI

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