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Schreiben in Zeiten von Corona, Teil I: Freewriting


(Image by John Jenings on Unsplash)



Und plötzlich ist alles ganz anders.


Mit Freunden spontan in der Mittagspause ein neues Lokal testen. Nach der Arbeit in einem Museum flanieren und die Kunstwerke auf mich wirken lassen. Ein Glas Prosecco mit Mama im Café. Übers Wochenende mit dem Zug in eine andere Stadt, um an einer Konferenz teilzunehmen. Alle diese Dinge, die ich so gerne habe und die bis vor wenigen Wochen ganz selbstverständlich zu meinem Alltag gehört haben – eingefroren, vorerst auf unbestimmte Zeit. Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben komplett auf den Kopf gestellt.


In diesen Zeiten tut es mir gut, mich darauf zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann. Ich kann leider nicht beeinflussen, was da draußen passiert – wie viele Menschen krank werden, wie lange es dauern wird, welche Maßnahmen getroffen werden. Ich kann aber beeinflussen, wie ich damit umgehe. Wie ich andere Menschen in dieser Situation behandle. Wie mein physisches und psychisches Zuhause aussieht. Das Schreiben ist für mich in dieser Situation besonders hilfreich.


In den folgenden Wochen möchte ich mit euch teilen, welche Schreib-Tools mir helfen, mich erden und mir wieder eine frische Perspektive geben.Die erste Technik, die ich euch vorstellen möchte, heißt Freewriting. Sie wurde von Englischprofessor und Schreibpädagogen Peter Elbow entwickelt und ist eine universelle Technik für sehr viele Schreiberinnen und Schreiber, unabhängig von der Art des Textes. Freewriting kann dazu genutzt werden, sich für ein Schreibprojekt „aufzuwärmen“, bestehende Ideen zu sammeln, neue Inhalte zu erkunden...oder auch einfach nur dazu, sich zu sammeln und seine Gedanken in Ordnung zu bringen.


Und so funktioniert es:

1) Stelle einen Timer auf 10, 15 oder 20 Minuten. Wenn du normalerweise nicht viel schreibst, kannst du beispielsweise mit 10 Minuten beginnen und dich langsam steigern.

2) Such dir ein Thema: einen Satzbeginn, ein Wort, eine Frage...

3)...und schreib für die Zeit, die du dir gestellt hast, einfach drauflos! Alles, was dir zu diesem Thema einfällt, ist willkommen.

4) Du kannst immer beim Thema bleiben, aber: Abschweifen, Thema wechseln, Blödsinn schreiben sind auch völlig in Ordnung!

5) Wenn du nicht weiter weißt, schreib so lange „mir fällt nichts ein", „blablabla" oder ähnliches, bis wieder ein Gedanke kommt.

6) Nichts durchstreichen, verändern oder korrigieren! Das Freewriting ist nur für dich bestimmt und nicht dazu da, geteilt oder veröffentlicht zu werden.

7) Die schreibende Hand bleibt immer in Bewegung! Setze den Stift, mit dem du schreibst, während der vorab festgelegten Zeit nicht ab.

8) Wenn die Zeit vorbei ist, schreib den gerade begonnenen Satz noch zu Ende und leg dann den Stift beiseite. Freu dich auf das nächste Mal!


Ein Themenvorschlag für dein erstes Freewriting:


Ich werde das Beste aus dieser Situation machen, indem ich....


Stift, Papier, Timer...GO!


Alles Liebe und bleibt gesund!


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Buchempfehlung:

Peter Elbow: Writing With Power. Techniques for Mastering the Writing Process. Oxford University Press, 1981


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