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Die Lieblingsfehler im Deutschen – kurz erklärt!



Die Freuden der deutschen Sprache...

Manche Themen sind nicht nur für meine Fremdsprachenlernenden der absolute Horror – auch MuttersprachlerInnen stolpern immer wieder über bestimmte Fragestellungen und Unsicherheiten. Hier zeige ich dir, wie du einige der häufigsten Fehlerquellen erkennen, verstehen und vermeiden kannst!



1) Kein Komma nach der deutschen Grußformel


Das ist mit Abstand der häufigste Fehler, den ich sehe:


Liebe Grüße,

xy


Im Deutschen kommt nach der Grußformel am Ende von Briefen oder E-Mails nämlich kein Komma (im Englischen und in vielen anderen Sprachen hingegen schon). Richtig ist also:


Liebe Grüße

xy


Nach der Anrede hingegen wird schon ein Komma gesetzt und danach in der nächsten Zeile klein weitergeschrieben:


Lieber Herr X.,


danke für Ihre Nachricht!



2) ß ist ein aussterbender Buchstabe


Bei der letzten Rechtschreibreform sind viele „scharfe S“ weggefallen. Schrieb man vor 1996 beispielsweise auch daß, muß, Kuß und viele andere Wörter mit ß, so benutzt man das ß heute nur noch in drei Fällen:

*nach einem Diphtong (=zwei Vokale, die einen Laut bilden, z.B.: ei, eu, au) wird ein ss zu einem ß:

Heiß, weiß, Fleiß, außer

*nach einem langen Vokal wird ein ss zu ß:

der Fuß, der Gruß

*bei Eigennamen, die laut Geburtsurkunde mit ß geschrieben werden

Die stehen bei den neuen EU-Pässen auch tatsächlich mit dem Sonderzeichen ß drin. Früher war das anders, denn bei den alten Pässen wurden alle ß zu ss umgeschrieben – heute ist das nicht mehr erlaubt.


Diese Regeln gelten übrigens nur für Österreich und Deutschland. In der Schweiz gibt es überhaupt kein ß mehr – dort werden diese Wörter einfach immer mit ss geschrieben.


Vertiefende Info zu s, ss und ß gibt es hier: https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/doppel-s-und-scharfes-s


3) Apostrophierungen im Deutschen

Auch bei diesem Punkt kommt es, vermutlich auch durch die Omnipräsenz des Englischen, zu zahlreichen Fehlern.


Im Deutschen werden nur Genitivendungen von Namen, die auf einem s-Laut enden, sowie Auslassungen apostrophiert:

· Hannes' Handy

· Fritz' Hund

· Ist 's schon soweit?


Nicht apostrophiert werden alle anderen Namen im Genitiv.


Richtig: Elises Buch

Falsch: Elise's Buch


Auch beim Plural hat der Apostroph nichts verloren:


Richtig: die Autos, die CDs, die Radios

Falsch: die Auto's, die CD's, die Radio's


4) Ja, dieses Wort ist wirklich so lang (sorry!)


Komposita, also zusammengesetzte Nomen, sind eine gefürchtete Spezialität der deutschen Sprache – man denke an die fast schon ikonische Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze beim Spiel Hangman.

Grundsätzlich werden deutsche Nomen, die eine Sache beschreiben, auch in einem Wort geschrieben. Ja, auch Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Finanzdienstleistungsunternehmen und andere sprachliche Schätze...


Was bei Komposita definitiv immer falsch ist: das Leerzeichen zwischen den einzelnen Teilen.

mein Lieblings Buch -> mein Lieblingsbuch


Manche Komposita können in einem Wort oder auch mit einem Bindestrich geschrieben werden, wenn sie Fremdwörter sind, sehr komplex sind oder die Worttrennung einen Unterschied in der Bedeutung macht. Hier ist die Worttrennung mit Bindestrich empfohlen oder sogar zur besseren Lesbarkeit notwendig:

· das Musik-Erleben (das Erleben der Musik) vs. das Musikerleben (das Leben eines Musikers)

· das Make-up

· die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (übrigens das längste Wort im Duden)


Wird ein mehrteiliges Wort mit Bindestrich geschrieben, müssen übrigens alle Wortteile mit Bindestrich verbunden sein:

das DIN-A4-Blatt


Der Bindestrich kann auch als stilistisches Mittel zur Hervorhebung oder Verdeutlichung eingesetzt werden:


Auf der wunderschönen Terrasse mit Toskana-Flair können Sie den Abend genießen.


Mehr dazu hier: https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/getrennt-und-zusammenschreibung


Und hier: https://www.korrekturen.de/sprachleben/rechtschreibung/der_horror_mit_den_substantivischen_zusammensetzungen.shtml



5) Kein Komma vor dem „und“? Jein...


Die meisten von uns haben diese Regel aus der Schulzeit noch im Kopf. Ja, grundsätzlich ist sie richtig. Es gibt aber Fälle, in denen vor dem „und“ optional ein Komma gesetzt werden kann oder muss. Auch hier geht es wieder einerseits um die bessere Lesbarkeit:


Wenn ich samstags mit der Arbeit fertig bin, gehe ich nachhause (,) und mein Freund kocht dann immer was Schönes für uns.


Manchmal ist ein Komma vor dem „und“ aber sogar Pflicht. Beispielsweise dann, wenn vor dem und ein Einschub oder Nebensatz steht:


Wir müssen handeln, und zwar schnell.

Morgens geht er joggen, um den Tag aktiv zu beginnen, und abends trainiert er meistens im Fitnesscenter.


Kommaregeln sind ein Kapitel für sich. Eine gute Übersicht findest du beispielsweise hier.



6) Doppelpunkt... und dann?


Ob nach einem Doppelpunkt groß oder klein weitergeschrieben wird, hängt vom nachfolgenden Satz ab. Ist dieser ein „kompletter“ Satz (d.h. bestehend aus zumindest einem Nomen und einem Verb), schreibt man groß weiter, ansonsten klein.


Das muss ich heute noch machen: lernen, kochen, mit dem Hund rausgehen.

Das muss ich heute noch machen: Ich muss lernen, kochen und mit dem Hund rausgehen.



Ich hoffe, dass dieser Blogbeitrag dir mit deiner schriftlichen Kommunikation weiterhilft. Wenn dich dieses Thema interessiert oder du weitere Fragen hast, schreib mir dein Anliegen gerne in die Kommentare!


(Photo by Jason Leung on Unsplash)

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